Wenn der Garten unter der Hitze leidet: Diese 6 Fehler machen alles noch schlimmer

Wochenlange Trockenheit und hohe Temperaturen setzen selbst robusten Gartenpflanzen zu. Blätter hängen, Blüten vertrocknen schneller und der Boden wirkt wenige Stunden nach dem Gießen schon wieder trocken.
Der erste Reflex lautet häufig: mehr Wasser.
Doch gerade während einer Hitzewelle können falsche Pflegemaßnahmen zusätzlichen Stress verursachen.
Fehler 1: Jeden Tag nur ein bisschen gießen
Ein paar Sekunden mit dem Gartenschlauch können die Oberfläche dunkel und feucht aussehen lassen. Entscheidend ist jedoch, wie tief das Wasser tatsächlich gelangt.
Wird immer nur oberflächlich gegossen, bleibt der tiefere Wurzelraum trocken.
Bei vielen eingewachsenen Beetpflanzen ist deshalb eine gründliche, an die Pflanzenart und den Boden angepasste Bewässerung sinnvoller als ständiges oberflächliches Befeuchten.
Kübel und frisch gesetzte Pflanzen bilden eine Ausnahme: Sie müssen aufgrund ihres begrenzten Wurzelraumes deutlich häufiger kontrolliert werden.
Fehler 2: Erst in der größten Mittagshitze reagieren
Wenn möglich, sollte der größte Teil der Gartenbewässerung am frühen Morgen erfolgen.
Dann sind Boden und Pflanzen noch vergleichsweise kühl und das Wasser kann in den Wurzelbereich eindringen, bevor die stärkste Tageshitze beginnt.
Das heißt nicht, dass eine sichtbar lebensbedrohlich welke Pflanze mittags kein Wasser bekommen darf. In einem akuten Notfall ist Wasserversorgung wichtiger als eine starre Uhrzeit.
Für die regelmäßige Bewässerung ist der Morgen jedoch meist wesentlich praktischer.
Fehler 3: Sonnenbrand mit Wassermangel verwechseln
Braune Blätter bedeuten nicht automatisch, dass eine Pflanze zu wenig Wasser bekommen hat.
Nach einem plötzlichen Wechsel von Schatten zu intensiver Sonne können empfindliche Blätter regelrecht verbrennen.
Typische Schäden sind helle oder bräunliche, später papierartig vertrocknende Bereiche auf den besonders stark belichteten Blattflächen.
Besonders gefährdet können frisch ausgepflanzte Jungpflanzen, empfindliche Kübelpflanzen und Zimmerpflanzen sein, die im Sommer plötzlich ins Freie gestellt werden.
Gartenblues erklärt ausführlicher, wie du Sonnenbrand bei Pflanzen erkennst und behandelst.
Verbranntes Pflanzengewebe wird normalerweise nicht wieder grün. Entscheidend ist deshalb, weitere Schäden zu verhindern und der Pflanze Zeit für neue Blätter zu geben.
Fehler 4: Nackten Boden in der Sonne lassen
Ein schwarzer, unbedeckter Gartenboden kann sich in der Sommersonne stark erwärmen und Feuchtigkeit schnell verlieren.
Eine geeignete Bodenbedeckung kann hier helfen.
Mulch kann:
- direkte Sonneneinstrahlung auf den Boden reduzieren,
- Verdunstung bremsen,
- Temperaturschwankungen abschwächen,
- unerwünschten Pflanzenwuchs begrenzen.
Allerdings ist Mulchen kein vollkommen risikofreies Wundermittel.
Eine zu dicke oder dauerhaft feuchte Mulchschicht kann je nach Material und Situation Schnecken begünstigen oder Probleme direkt am Pflanzenstängel verursachen.
Eine differenzierte Übersicht bietet Gartenblues im Beitrag Mulchen gegen Trockenheit und Schädlinge.
Fehler 5: Hitzegestresste Pflanzen kräftig düngen
Wenn Pflanzen nicht wachsen, greifen viele Hobbygärtner automatisch zum Dünger.
Während akuter Hitze und Trockenheit ist mehr Dünger jedoch nicht zwangsläufig die Lösung.
Eine Pflanze mit stark eingeschränkter Wasserversorgung kann zusätzliche Nährstoffe nicht automatisch in schnelleres Wachstum umsetzen.
Viel wichtiger ist zunächst:
Wasserversorgung stabilisieren, Wurzelbereich schützen und zusätzlichen Stress vermeiden.
Erst wenn die Pflanze wieder aktiv wächst, sollte über eine notwendige Nährstoffversorgung nachgedacht werden.
Fehler 6: Jeden Nachmittag den Rasen extrem kurz schneiden
Kurzer Rasen sieht zwar ordentlich aus, doch während extremer Hitze kann ein sehr tiefer Schnitt zusätzlichen Stress verursachen.
Längere Grashalme beschatten den Boden stärker.
Deshalb sollte bei Hitze nicht versucht werden, einen ohnehin geschwächten Rasen durch besonders häufiges und tiefes Mähen „sauber“ zu halten.
Auch hier gilt: Pflege an die aktuelle Situation anpassen, nicht stur an einem Kalender festhalten.
Pflanzen zeigen Hitzestress unterschiedlich
Nicht jede Pflanze reagiert mit welken Blättern.
Mögliche Zeichen sind auch:
- eingerollte Blätter,
- trockene Blattspitzen,
- vorzeitig abgeworfene Blüten,
- kleinere Früchte,
- Wachstumsstillstand,
- gelbliche Blätter.
Deshalb sollte man immer mehrere Faktoren gleichzeitig betrachten.
Wie feucht ist der Boden tatsächlich?
Steht die Pflanze in voller Sonne?
Wurde sie kürzlich umgepflanzt?
Sind Schädlinge sichtbar?
Ist der Wurzelraum ausreichend groß?
Das Gartenmagazin Gartenblues beschäftigt sich regelmäßig mit genau diesen praktischen Sommerproblemen.
Bei Hitze ist weniger Aktion manchmal mehr
Eine Hitzewelle ist nicht der richtige Zeitpunkt, um im Garten jede Pflanze radikal umzuschneiden, umzupflanzen und stark zu düngen.
Oft helfen drei wesentlich einfachere Dinge:
Wasser gezielt an die Wurzeln bringen.
Den Boden vor unnötiger Austrocknung schützen.
Empfindliche Pflanzen vor extremer Mittagssonne bewahren.
Damit nimmt man den Pflanzen nicht jede Belastung ab.
Aber man verhindert, dass gut gemeinte Gartenpflege den Hitzestress zusätzlich verstärkt.